GÜNTHER HERBIG

GERMAN REVIEWS

Saarlandischer Rundfunk Saarbrücken - Berlin Philharmonie, Marz 2004

FERNÖSTLICHES LAMENTO

"...Die Gäste aus Saarbrücken unter ihrem Chef Günther Herbig (73) machten da keine Ausnahme. Sie lieferten eine klare, monumentale Wiedergabe der 4. Sinfonie van Anton Bruckner, die Herbig auf ruhige, geradezu in sich versunkene Art dirigierte: ein Kenner und Wisser im weißen Haar.

Klare Disposition. Keine Wichtigtuerei. Kein Ausdrucksgefuchtel. Kein zusätzliches Romantisieren. Die großen sinfonischen Bögen spannen sich wie von selbst und werden von den Musikern mit Feingefühl und Nachdruck gezogen...

Rundum herrscht Musizier-Tradition. Das Überkommene wird nicht preisgegeben. Es wird in aller Ruhe kultiviert, poliert, weiter gereicht. Die Orchester der ARD erweisen sich als die großen Bewahrer in der musikalischen Erscheinungen Flucht. Sie stehen ein für das Neue, aber die große Überlieferung geben sie dennoch nicht preis. In diesem Falle sorgt außerdem der alterfahrene Günther Herbig dafür.

Er begann das Bruckner-Gedenkfest mit einem Vorspruch aus fernöstlicher Feder: dem zehnminütigen "Requiem für Streicher" von Toru Takemitsu, seiner ersten sinfonischen Arbeit für ein herkömmliches Orchester der westlichen Welt. Es streichelt voller Nachdenklichkeit Erinnerungen hervor. Es gibt sich als ein "Tombeau" für einen komponierenden Freund: ein Lamento der denkbar zurückhaltendsten Art. Es klagt wie unter der Sordine. Auch Trauer zeigt man offenbar in Japan nur in gemessenen Bahnen. Diese hier leiteten überdies einstimmend auf Bruckners schier überbordende Kolossalität hin. Die Welt der Gegensätze, ausmusiziert. Klaus Geitel, Morgenpost.

Saarlandischer Rundfunk Saarbrücken - Nov 1999

"O sei nicht bang, der Tag is schön" - Ovationen für's Rundfunksinfonie-Orchester unter Günther Herbig mit einem Mahler-Programm

"... Um so vielfarbiger wurde es nach der Pause bei Mahlers 6 Sinfonie... Ein absolut präzises Schlagzeug. Günther Herbig, längst in Übersee akkreditiert, machte deutlich, wozu man überhaupt einen Dirigenten braucht. Mit feinem, fast "zu schönem" Schlag setzt er unmissverständliche Impulse, baut, auswendig dirigierend, riesige Spannungen auf und entfaltet die ganze vom Instrumentationsgenie Mahler geforderte Palette an Dynamik und Klangfarben, um dieses sinfonische Ungetüm darzustellen.

So wurde die skurrile Polyphoie des 1 Satzes durchhörbar, erhielten die Takt und Tempowechsel im morbiden Scherzo Sinn, so wirkte das Andante atemberaubend geschlossen und die Überlänge des Finale notwendig. Endlich konnte dieses Ensemble seine Qualitäten voll ausspielen, und es nutzte diese Chance ungeachtet der enormen Anforderungen im eigentlichen Wortsinne be-geistert. Ovationen von Publikum und vom Orchester: ein großer Abend. Leere Plätze in der Congresshalle? Wer nicht dabei war, hatte Pech gehabt." "Hans Bünte, Saarbrücker Zeitung

Dresden Philharmonic Orchestra

Dresdner Neueste Nachrichten - 9 Nov 1998

"Mit Mahlers gigantischer Sinfonie Nr 9 erwies sich der freudig begrüßte Günther Herbig als ein Meister der Disposition, die mit der Wahl gelegentlich recht breiter Tempi keineswegs beschädigt wurde... Mit großartiger Erhabenheit breiteten Herbig und die Musiker ein Klangwunder aus. Ein Abschied? Wenn überhaupt, dann einer, der zurückführt zu den Liedern, die im bisherigen Leben gesungen waren. Dieser Zauber zog sich ins Nichts zurück - ergreifend. Die Spanung löste sich in Beifallswogen - Dank für ein außergewöhnliches Konzert." Hans Peter Altmann

Dresdner Neueste Nachrichten - 20 Nov 1997

Gigantischer Mahler, früh-reifer Beethoven

"Mit Mahlers gewaltiger 5. Sinfonie cis-Moll griff Günther Herbig eine gute, langen Tradition bei der Dresdner Philharmonie auf... Herbig gestaltete das 5/4- Stunden-Stück aus tiefer Werkkenntnis und innerer Verbundenheit heraus. Er gab den Sätzen Spannung und prägnantes Profil, dosierte flexibel, arbeitete die Vielschichtigkeit verschiedener Stellen in langen Steigerungen heraus, machte aber auch die "Brüche" und Umschwünge deutlich und glättete keineswegs. Das kam der Glaubwürdigkeit der Aussage zugute, die trotz der etwas bemühten Fröhlichkeit des Finales doch letzlich sehr betroffen machen mußte. Das Orchester ging die aufwendige Gangart mit großer Intensität mit."Gerhard Böhm

Sächsische Zeitung - 14 April 1997

Packend, bewegend

"...Soloist, Orchester und Dirigent bildeten eine Einheit, korrespondierten auf eine selten zu hörende Weise miteinander. Es war ein Ereignis! Wann hörte man je einen solch wahrhaft berückend, meditativ versonnenen, schwärmerisch innigen Mittelsatz wie gerade an diesem Abend?... Und Günther Herbig, der sich beim Konzert auf kongeniale Weise (die Musiker waren auch vom Spiel des Soloisten inspiriert) auf den Pianisten einstellte, erntete dann seinen stürmischen, langanhaltenden Applaus und Bravos, immer wieder Bravos, für seine Interpretation von Schostakowitschs 10. Sinfonie." Friedbert Streller

 

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